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HEV 09/2001 Inhaltsverzeichnis
Unser Garten

Sträucher mit Fruchtschmuck
Gernot Grueber

Ja, wo fängt man da an? Allein im ersten Anlauf hatte ich schon 45 Gattungen aufgelistet! – wohlgemerkt ohne z.B. die Zieräpfelsorten hinzuzunehmen. Wären Quitten und Äpfel auch dazuzuzählen? Feuerbrand ist ein Stichwort, das die Feuerdorn, Stranvaesien, Cotoneaster und die erwähnten Quitten ausschliesst. Schade drum, aber keine Angst: es bleibt immer noch einiges übrig.
Fangen wir mal mit den Nadelgehölzen an. Wenn wir die Zapfen zu den zierenden Früchten rechnen, können wir schon die Koreatanne aufführen. Besonders die durch Veredlung gezogenen Exemplare beginnen früh mit dem Blühen und Fruchten. Was nützen uns die wunderschönen Kinderschulen von purpurnen Jungzapfen, wenn wir dazu eine Feuerwehrleiter brauchen? 40, 50, 60 Stück stehen da dicht gedrängt beisammen.
Viburnum opulus (gemeiner Schneeball)

Viburnum opulus
(gemeiner Schneeball)

Eine wahre Augenweide! Rottannen machen normalerweise erst in grosser Höhe ihre Zapfen (die ganz abfallen wenn sie reif sind). Es gibt jedoch eine Kulturvarietät, die Picea abies Acrocona heisst. Sie macht an jenen Trieben Zapfen, die im laufenden Jahr wachsen; daher auch schon in jüngerem Stadium und in sicht- und erreichbarer Höhe. Dann gibt es Nadelgehölze mit beerenartigen Früchten. Kaum jemand, der die Eiben mit ihren roten Beeren nicht kennt. Bei den normalen Taxus baccata müssen wir allerdings wissen, dass wir Früchte nur von Frau Eibe bekommen. Herr Eibe tut seinen befruchtenden Dienst per Blütenstaub. In Baumschulen wird die reichfruchtende Sorte Taxus media Hicksi als weibliche Zuchtrichtung angezogen. Es ist ratsam, diese Sorte nicht neben einem Zugangsweg oder öffentlichen Gehsteig zu pflanzen.
In manchen Baumschulen wird auch die gelbfrüchtige Eibe, Taxus baccata fructu-Iuteo, kultiviert. Hübsch und für Dekorationen geeignet ist die Kanadische Hemlocktanne mit ihren vielen, kaum daumennagelgrossen Zäpfchen, allerdings meist erst in einiger Höhe über dem Boden.
Viele Zierfruchter kennen Sie, liebe Leserinnen, wahrscheinlich, sodass sie fast mit dem Aufzählen abgetan werden können, z.B. die Heckenberberitze, Berberis thunbergii. Wenn sie nicht geschnitten wird, macht sie viele rote Beerenfrüchtchen. Ihre Schwester, Berberis rubrostilla, wurde jahrzehntelang sogar in mehreren Sorten kultiviert. Eine davon hiess bezeichnenderweise Barbarossa = Rotbart. Die Rubrostilla war ein Bastard und hatte als Elternsorte Berberis wilsoniae. Diese hatte nicht nur Büschel von lachsroten Früchten; sie waren auch brauchbar für die Konfitürengewinnung, sehr Vitamin-C-haltig. Wie beim Sanddorn wurde das eher vorsichtig genutzt; Sie können sich vorstellen weshalb! Richtig, die Stacheln und Dornen! Wer eine Aucuba japonica pflanzt, denkt in erster Linie an die schönen sattgrünen Blätter und die Abdeckwirkung. Sie machen überdies wunderschöne knallrote, olivenförmige Früchte in hängenden Dolden, die den ganzen Winter überdauern. Dies trifft auch für die gelbbunte Variegataform zu. Lonicera xylosteum (gemeine Heckenkirsche)

Lonicera xylosteum
(gemeine Heckenkirsche)

Ein wunderschöner, schirmförmig wachsender Strauch ist der Loosbaum. Er wird gegen 3m gross. Seine Blätter sind herzförmig und ähneln jenen einer grossblättrigen Linde. Seine Früchte haben rote Kelchzipfel, in deren Mitte ein grünspanblaues Kügelchen sitzt. Man sieht ihn nicht sehr häufig, weil das Jugendstadium nicht allerorts genügend frosthart ist. Der Clerodendron trichotomum Fargesi hat einen kleinen Bruder, Clerodendron foetidum, den man zu den Halbsträuchern zählen muss, weil er nach bisherigen Erfahrungen gelegentlich zurückfriert.
Hippophae rhamnoides (Sanddorn)

Hippophae
rhamnoides
(Sanddorn)

Wo er sich gut entwickelt, hält das Fruchtstadium fast drei Monate. Sagt Ihnen Schneebeere etwas? Als Kinder sagten wir ihnen auch Knallerbsen; andernorts werden sie als Schnudderberi bezeichnet. Von diesen gibt es eine rosa Sorte, die ihres schillernden Farbtons wegen Mother of Pearl (Perlmutter) genannt wird. Unter den Weissdornarten verdient der Crataegus lavallei erwähnt zu werden. Zwar entwickelt er sich langsam zu einem schönen Grossstrauch, hat aber dann die gute Eigenschaft, dass er nicht allzuviel Platz beansprucht und ausgesprochen charaktervoll wirkt. Seine orangefarbenen, olivengrossen Früchte, die in Dolden stehen, halten fast den ganzen Winter über. Wenn wir schon bei den Baumartigen sind: Der Blasenbaum (Koelreuteria paniculata) ist nicht nur in der Blüte schön, auch sein halbreifes und reifes Fruchtstadium mit grossen, lockeren Dolden von lampionartigen Blasenfrüchten ist wunderhübsch. Unser Blauregen / Glycinie am Haus und am Balkon trägt über Herbst und Winter Massen von handspannenlangen Schoten. Sie sind nicht nur fürs Auge schön, sie sind auch ganz weich zu streicheln! Wenn Sie sich die Mühe nehmen, ein paar Schoten (mit Hammerschlag auf ie Schmalseite) aufzuknacken, bekommen Sie zudem dekorative Spiralen für phantasievolle Avents- und Weihnachtsdekorationen. Unter den Zieräpfeln möchte ich wenigstens die gelbe Golden Hornet und die rotfrüchtige Georgeus erwähnen. Malus sargenti kann ich mir auch nicht verkneifen. Sie macht nur erbsengrosse gelbe Früchte, darf jedoch wegen ihrer wundervollen Herbstfarbe nicht vergessen werden. Auffallende Früchte in olivbraunem Ton hat die Mispel, Mespilus germanica.
Mutmasslich sieht man sie wenig, weil sie sich doch zu einem stattlichen, breiten Grossstrauch entwickelt. Mispeln sind übrigens essbar, wenn sie von ersten Frösten weichgekocht sind. Ein breiter Strauch mittlerer Grösse schmückt sich nicht nur im Frühjahr reich mit weissen Zungenblütchen, sondern im Sommer und Frühherbst mit rot durchscheinenden Perlenfrüchten. Es ist eine von vielen Heckenkirschen: Lonicera maacki. Etwas handlicher in der Grösse ist unser heimisches Beiwidli, Lonicera xylosteum. Bei den Stechpalmen müssen wir wiederum beachten, dass sie pärchenweise gepflanzt werden müssen. Die zwittrige Sorte J.C. van Tol macht da eine Ausnahme. Ihr Wuchs ist jedoch nicht so schön kompakt, wie bei den eingeschlechtlichen Selektionen. Schön dicht sind auch die fast schwarzgrünblättrigen Sorten Ilex meservae Blue Prince und Blue Princesse. Sie bleiben kleiner und kompakter. Ilex verticillata, ein Strauch von etwa 2m, ist sehr attraktiv, rot und reich tragend, muss jedoch auch paarweise gepflanzt werden. Unter den Schneeballen ist der heimische Wollschneeball zumindest im halbreifen Übergangsstadium wunderschön rot. Der eher seltene Siebolds-Schneeball wird etwa 3m hoch, hat cremeweisse Blüten und grosse orangerote Fruchtdolden. Er ist schon wegen seines markanten, gefurchten Laubes wegen gartenwürdig. Glänzend, perlenartig, violett fruchtet der Schönfruchtstrauch Callicarpa. Ilex aquifolium (Steckpalme)

Ilex aquifolium
(Steckpalme)

  Der Strauch selbst ist nicht gerade ein Charakterkopf, aber wegen der ausgefallenen Farbe ist das Fruchtstadium etwas Besonderes. Seidelbast hat verschiedene schöne Stadien, unter anderem auch die dicht sitzenden roten Perlenfrüchte. Vorsicht, die ganze Pflanze ist giftig! Unter den Moorbeetpflanzen tut sich besonders die Torfmyrthe / Pernettia hervor. Sie haben die Wahl zwischen Weiss-, Rosa- und Rotfrüchtigen. Um Fruchtschmuck zu bekommen, braucht es allerdings auch wieder einen Befruchter. Zwei kleinere Fruchtspezialisten sind noch zu erwähnen: als Moorbeet-Bodendecker die Gaultheria. Sie ist vergleichbar mit einem grossblättrigen, flachen Cotoneaster. Unter den Preiselbeeren gibt es auch einige grossfrüchtige Selektionen. Eigentlich könnte man zu diesem Thema eine ganze Zeitschrift füllen, drum erwähne ich wenigstens noch Grau- und Grünerlen, Rosen, die Altersform des Efeus, Schneeglöckchenstrauch / Halesia carolina, Pfaffenkäppchen, Sanddorn, Ptelea trifoliata, Canaerti Wachholder, Mannsblut Johanniskraut, Cornus mas / Dirrlitze, Cornus kousa / koreanischer Hartriegel, Ebereschen, japanische Ahorne usw. Nun stehen Sie vor den Buchstaben eines Alphabetes und sollen daraus Worte formen. Diese Worte müssen Sie auch noch in das «literarische Gesamtwerk Garten» stilistisch integrieren. Zugegeben, das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, eine Überforderung? Entscheidungskriterien? Die Grösse Ihres Gartens, Ihre Vorliebe für die eine oder andere Pflanze, der Zweck, den Sie erreichen wollen, eine gewisse Farbwirkung zu einer bestimmten Zeit, der Platz, der zur Verfügung steht. Ich hoffe, dass ich Sie nicht nur neugierig gemacht habe. Zur besten Lösung führt manchmal auch der Weg über einen kundigen Berater.  

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