|
|
|
|
|
|
Diesmal ist es eine Freundin
im Garten!
* Barbara Scalabrin-Laube |
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
Winter! – Was soll ich da im Garten? Wäre
es nicht am klügsten, mich in einen bequemen
Stuhl zu setzen und mit einem Gartenbuch
von besseren Zeiten zu träumen, als
Faserpelz, Winterstiefel, Mütze und gefütterte
Gartenhandschuhe anzuziehen und in den
Garten zu gehen? – Den Gedanken kenne
ich, aber sobald ich meine Faulheit überwunden
habe und mit der Schere oder der zweizinkigen
Rosengabel im Garten arbeite,
geniesse ich die Möglichkeit, auch in der kalten
Jahreszeit draussen zu sein. Meine ersten
diesbezüglichen Erfahrungen machte ich
während eines einmonatigen Aufenthalts im
Januar bei Freunden in Südengland. Am
Sonntag «klebten» wir jeweils gemeinsam an
ihrem steilen Hang und jäteten oder setzten
neue Pflanzen. Bernard trug dabei immer ein
kariertes Hemd und eine Krawatte, ohne die
er laut eigener Aussage gefroren hätte!
Auch ohne Krawatte machte mir das winterliche
Gärtnern Spass, vor allem weil ich
merkte, dass ich auf diese Weise viele Pflanzen
entdeckte, die ich sonst vielleicht übersehen
hätte, wie z.B. das kleine Vorfrühlings-
Alpenveilchen Cyclamen coum, das auch bei
uns bereits im Februar blüht.
Wenn ich – wie immer in der kalten Jahreszeit
– die Blätter der Lenzrosen (Helleborus
x Hybridus) zurückschneide und gleichzeitig
das Laub dazwischen entferne (und mich
über die Mausgänge unter der Laubschicht ärgere!), finde ich – meist unter Laub abwerfenden
Gehölzen – die erste weisse, rosa oder
lila Blüte des Alpenveilchens. Die aus einem
Knollen wachsende Pflanze mit den rundlichen
oder herzförmigen Blättern gehört zu
meinen erklärten Lieblingen und ich freue
mich über jeden neuen Standort, den ich –
den Ameisen und Vögeln sei Dank – entdecke.
Doch was muss man über die Cyclamen
coum wissen, wenn man gern schon bald selber
einen kleinen Teppich unter einem Gehölz
haben möchte?
Der Name Cyclamen stammt vom griechischen
Wort kyklamenos ab, das in etwa mit
«runde Form» übersetzt werden kann. Vielleicht
bezieht sich die Bezeichnung auf die
runde Knolle, vielleicht aber auch auf das
runde Röckchen, das die Blütenblätter bilden.
Die bisher bekannten zwanzig verschiedenen
Arten der Gattung gehören zur Familie
der Primulaceae. Beheimatet sind sie sowohl
in Europa als auch vom Mittelmeerraum bis
hin zum Iran. Eine Art stammt gar aus Somalia.
Wer schon einmal eine Zyklame (Cyclamen
persicum, Hybriden und Sorten) aus
dem Blumengeschäft in den Garten gepflanzt
hat, weiss, dass nicht alle Arten winterfest
sind. Alle aber schätzen zwischendurch eine
kühlere Periode mit tieferen Temperaturen.
Bei den frostempfindlichen Arten bedeutet
«kühl» zwei bis fünf Grad Celsius plus. Ein
leicht beschatteter, eher trockener Standort
mit kalkhaltigem, gut durchlässigem Humus
ist ideal. So wachsen vor allem die Vorfrühlings-
Alpenveilchen unter Laub abwerfenden
Gehölzen besonders gut, ist es dort doch im
frühen Frühling hell, im Sommer dann schattig
und dank dem Wurzeldruck des Gehölzes
trocken. Auf diese Weise gepflanzt ist die
Gefahr, dass der Knollen verfault oder von
Pilz befallen wird, vermindert.
Ich habe mein erstes Cyclamen coum
unter eine Spirea japonica gepflanzt, wo es
sich offensichtlich wohl fühlt, denn es hat sich
im Lauf der Zeit zu einem ansehnlichen Teppich
ausgebreitet. Zudem haben vermutlich
Vögel oder Ameisen die etwa erbsengrossen
schwarzen Früchte an andere Plätze transportiert.
Daher finde ich die hübschen Pflanzen
im Kiesweg (Durchlässigkeit!), unter einer
Zaubernuss, im Bereich der Buchenhecke und
im Wurzelbereich einer Strauchrose, aber
auch unter den Blättern der Lenzrosen.
Leider sind Cyclamen-Arten nicht in jedem
Gartencenter erhältlich. Das mag verschiedene
Gründe haben. Einerseits brauchen sie,
im Topf kultiviert, besondere Pflege, weil sie
nicht zu sehr gewässert werden dürfen, damit
der Wurzelknollen nicht von Pilzen befallen
wird und/oder verfault. Anderseits sehen sie
bald nach der Blüte nicht mehr sehr attraktiv
aus, da die meisten Arten einziehen. Wer will
denn schon einen vermeintlich leeren Topf
kaufen? Zudem ist der Handel von Knollen
direkt vom Wildstandort eingeschränkt oder
verboten, denn die Pflanzen sind nach den
Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt.
Manchmal werden jedoch Knollen
des Cyclamen coum im Herbst in Samenkatalogen
angeboten. Und wer früh im Jahr in
eine gute Gärtnerei geht, wird die zierlichen
Blumen oft ebenfalls finden.
Schon bald nach dem Pflanzen im Herbst
treiben die runden oder herzförmigen Blättchen
des Cyclamen coum aus. Sie sind sehr
variabel; oberseits dunkelgrün bis fast silbrig
gezeichnet, unterseits rötlich bis karminrot.
Auch wenn die Cyclamen nicht blühen würden,
wären sie wegen der interessanten Blätter
wert, gepflanzt zu werden. Auf die weissen,
rosa oder lila Blüten möchte ich jedoch
nicht verzichten.
Die Alpenveilchen sollte man nicht zu tief
pflanzen. Kauft man sie im Topf, so soll man sie gleich hoch einpflanzen, wie sie im Topf
wachsen. Die nackten Knollen hingegen sollte
man mit etwa drei bis vier Zentimetern
Substrat zudecken. Vorsichtige Gärtnerinnen
und Gärtner schützen sie im ersten Jahr mit
etwas Reisig. Cyclamen coum sind in unserem
Klima winterhart und brauchen den Wintermantel
nicht zwingend.
Unser Cyclamenbestand ist gesund. Ich
bin froh, dass er noch nie von Dickmaulrüsslerlarven
befallen wurde. Ab und zu finde
ich eine halb ausgegrabene Knolle, vermutlich
das Werk von Vögeln. Die Cyclamenwelke
hingegen habe ich im Garten noch
nie beobachtet. Bei den im Haus gehaltenen
Cyclamen persicum kenne ich indessen das
Problem von Umfallkrankheit, Grauschimmel
und Welke. Vermutlich wurden diese
meist durch zu grosse Wassergaben, falschen
Standort oder nachlässige Pflege verursacht. |
|
|
|
|
Wie schon erwähnt, sind viele Cyclamen-
Arten nicht ganz winterhart. In unserm Garten
hat sich neben dem Vorfrühlings-Alpenveilchen
das im August und September
blühende Cyclamen hederifolium bewährt,
dessen efeuartige (daher der Artenname:
Hedera = Efeu) Blätter sich erst nach der Blüte
entwickeln und bis im Frühling attraktive
Blattteppiche bilden. Das efeublättrige Alpenveilchen
stellt in etwa die gleichen Ansprüche
wie Cyclamen coum.
In warmen, durchlässigen Böden an halbschattiger
Lage wächst zudem das einheimische Cyclamen purpurascens mit den runden
oder nierenförmigen Blättern und den rosa
bis roten, duftenden Blüten im Juni bis
August. Diese Art zieht als einzige nicht ein,
der Blattschmuck ist also ganzjährig. |
|
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
|
Cyclamen vermehrt man am besten durch
frische Samen. Junge Pflanzen blühen allerdings
erst nach ein paar Jahren, aber die
Geduld lohnt sich.
Von Barry Glick, einem Mitglied der Cyclamen-
Gesellschaft in England, habe ich erfahren,
dass sich Cyclamen als Zimmerpflanzen
über Jahre kultivieren lassen, wenn man einige
einfache Regeln einhält. Als Erstes empfiehlt
er, die Pflanzen nicht zu sehr zu wässern,
vor allem nicht im Wasser stehen zu lassen.
Sind sie verblüht, sollte man das Substrat
erneuern, stehen sie doch meistens in torfhaltiger
saurer Erde. Sie brauchen aber durchlässigen,
eher kalkhaltigen Boden. Wenn sie
dann eingezogen sind, sollte man sie trocken
und kühl halten, aber nicht austrocknen lassen.
Wenn sie im Herbst wieder zu wachsen
beginnen, können sie mit Zimmerpflanzendünger
und etwas mehr Wasser zu neuer
Blüte gebracht werden. Auf diese Weise kann
man die Pflanzen über längere Zeit behalten,
anstatt sie in den Kübel zu werfen.
Nun werden Sie verstehen, warum ich
manchmal auch im Winter die Arbeitskleider
anziehe und im Garten werke, denn wenn ich
dann meine zierlichen Freundinnen sehe,
freue ich mich ebenso sehr wie über meinen
treuen Vogel Robin, der mich auch im winterlichen
Garten begleitet. Ich gebe gern zu,
dass die Zyklämchen weniger auffällig sind
als die gelben Winterlinge, die reichen Blütentrauben
der Mahonia «Wintersun», die
zwirbligen Blüten der Zaubernuss, die duftenden
Schneebälle, die Winterblüte, die frühen
Schneeglöckchen oder die Lenzrosen und
viele mehr, aber für mich haben sie einen
ganz besonderen Reiz. |
|
|
|
|
|
* Cottage Garten, 8453 Alten |
|
 |
|
 |
|