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Martin Wille* ist Geschäftsleiter einer mittleren
Liegenschaftsverwaltung und hat mit der Unterstützung
von Domicil einen eskalierenden Mieterkonflikt
beruhigt. |
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«Das Ehepaar Weber* wohnt mit seinen
nun erwachsenen Kindern seit 20 Jahren
in der gleichen Wohnung in einem
3-Familienhaus. Ab und zu gab es kleinere
nachbarschaftliche Turbulenzen, die
jedoch nach Gesprächen mit der Verwalterin
rasch beigelegt werden konnten.
Bald nachdem die Familie Erkin* mit
dem kleinen Sohn eingezogen war, kam es
zu Scharmützeln und die Verwaltung
wurde mit Reklamationsbriefen von beiden
Seiten eingedeckt. Die Webers
beklagten sich über den unzumutbaren
Lärm des kleinen Buben, das Türenknallen
und das Herumrennen bis abends spät. Die
Erkins fühlten sich ständig beobachtet.
Herr Weber, als Pensionierter mit viel Zeit,
beobachtete alles, was im und ums Haus
geschah genau, und sorgte für seine Ordnung.
Besonders intensiv widmete er sich der
Erziehung der Familie Erkin und beschimpfte
sie ab und zu rüde. Die Nerven
der beiden Nachbarfamilien lagen blank,
der Ton wurde zusehends rauer. Unsere
Verwaltung legte den Kontrahenten nahe,
miteinander zu sprechen und selbst eine
Lösung für ihre Schwierigkeiten zu suchen.
Dieser Vorschlag wurde jedoch als Zumutung
empfunden, das Klima war wohl
schon zu vergiftet.
An einem gemeinsamen Mietergespräch
mit der Verwalterin wollte niemand
teilnehmen. Wir luden deshalb alle Mietparteien
einzeln ein und arbeiteten mit
ihnen eine Vereinbarung aus, an die sich
alle halten sollten. Bevor jedoch das Papier
mit allen Unterschriften zurück war, kam
es zu weiteren Zusammenstössen. Nach
einem lautstarken Streit rief Herr Weber
die Polizei, weil er befürchtete, Herr Erkin
würde ihn in seinem Zorn tätlich angreifen.
Nun reichte es mir. Ich merkte, dass wir
Unterstützung brauchten, und wandte
mich an Domicil.
Mit Frau Dürr zusammen planten wir
die Schritte des geplanten Mietergesprächs
und sprachen unsere Aufgaben ab.
Erstaunlicherweise folgten alle Parteien
unserer Einladung. Bereits zu Beginn
machte ich klar: Die Verwaltung wird allen
die Wohnung kündigen, wenn die Mieter
nicht bereit sind, ihren Teil zu einem guten
Zusammenleben beizutragen.
Das war ein klares Signal, und ich war
plötzlich in der Rolle des Bösewichtes. Wir
erlebten einen anstrengenden Abend!
Die dicke Luft verzog sich jedoch und dank
der sicheren Leitung der Moderatorin
wurde nach und nach ein Gespräch möglich.
Niemand lief davon! Am Ende unterschrieben
alle eine Vereinbarung, an die sie
sich halten wollten. Seither sind einige
Monate vergangen. Eine Partei wird bald
ausziehen. Bis heute hielten sich beide Seiten
an die besprochenen Punkte und ein
recht friedliches Zusammenleben wurde
möglich.
Für mich habe ich eine Lehre gezogen:
In einem solch komplexen Fall
würde ich zu einem früheren Zeitpunkt
eine externe Beratung beiziehen. Es war
entlastend, das Gespräch nicht selbst
moderieren zu müssen, weil ich das gar
nicht unabhängig von meiner Rolle tun
kann.
In Zukunft werden wir von der Verwaltung
früher auf Nachbarschaftskonflikte
reagieren und die beteiligten Parteien
zu einem Gespräch einladen, bevor zu viel
Geschirr zerschlagen wird.» |
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Mehr Informationen erhalten Sie bei
Frau Annalis Dürr, Stiftung Domicil, Zürich,
ad@domicilwohnen.ch, oder unter Telefon
044 245 90 27 |
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