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HEV 7/2007 Inhaltsverzeichnis
Stiftung Domicil

     
  Das nächste Mal werde ich früher
Unterstützung holen
 
     
  Martin Wille* ist Geschäftsleiter einer mittleren Liegenschaftsverwaltung und hat mit der Unterstützung von Domicil einen eskalierenden Mieterkonflikt beruhigt.  
     
  «Das Ehepaar Weber* wohnt mit seinen nun erwachsenen Kindern seit 20 Jahren in der gleichen Wohnung in einem 3-Familienhaus. Ab und zu gab es kleinere nachbarschaftliche Turbulenzen, die jedoch nach Gesprächen mit der Verwalterin rasch beigelegt werden konnten.
Bald nachdem die Familie Erkin* mit dem kleinen Sohn eingezogen war, kam es zu Scharmützeln und die Verwaltung wurde mit Reklamationsbriefen von beiden Seiten eingedeckt. Die Webers beklagten sich über den unzumutbaren Lärm des kleinen Buben, das Türenknallen und das Herumrennen bis abends spät. Die Erkins fühlten sich ständig beobachtet. Herr Weber, als Pensionierter mit viel Zeit, beobachtete alles, was im und ums Haus geschah genau, und sorgte für seine Ordnung.
Besonders intensiv widmete er sich der Erziehung der Familie Erkin und beschimpfte sie ab und zu rüde. Die Nerven der beiden Nachbarfamilien lagen blank, der Ton wurde zusehends rauer. Unsere Verwaltung legte den Kontrahenten nahe, miteinander zu sprechen und selbst eine Lösung für ihre Schwierigkeiten zu suchen. Dieser Vorschlag wurde jedoch als Zumutung empfunden, das Klima war wohl schon zu vergiftet.
An einem gemeinsamen Mietergespräch mit der Verwalterin wollte niemand teilnehmen. Wir luden deshalb alle Mietparteien einzeln ein und arbeiteten mit ihnen eine Vereinbarung aus, an die sich alle halten sollten. Bevor jedoch das Papier mit allen Unterschriften zurück war, kam es zu weiteren Zusammenstössen. Nach einem lautstarken Streit rief Herr Weber die Polizei, weil er befürchtete, Herr Erkin würde ihn in seinem Zorn tätlich angreifen. Nun reichte es mir. Ich merkte, dass wir Unterstützung brauchten, und wandte mich an Domicil.
Mit Frau Dürr zusammen planten wir die Schritte des geplanten Mietergesprächs und sprachen unsere Aufgaben ab. Erstaunlicherweise folgten alle Parteien unserer Einladung. Bereits zu Beginn machte ich klar: Die Verwaltung wird allen die Wohnung kündigen, wenn die Mieter nicht bereit sind, ihren Teil zu einem guten Zusammenleben beizutragen.
Das war ein klares Signal, und ich war plötzlich in der Rolle des Bösewichtes. Wir erlebten einen anstrengenden Abend! Die dicke Luft verzog sich jedoch und dank der sicheren Leitung der Moderatorin wurde nach und nach ein Gespräch möglich. Niemand lief davon! Am Ende unterschrieben alle eine Vereinbarung, an die sie sich halten wollten. Seither sind einige Monate vergangen. Eine Partei wird bald ausziehen. Bis heute hielten sich beide Seiten an die besprochenen Punkte und ein recht friedliches Zusammenleben wurde möglich.
Für mich habe ich eine Lehre gezogen: In einem solch komplexen Fall würde ich zu einem früheren Zeitpunkt eine externe Beratung beiziehen. Es war entlastend, das Gespräch nicht selbst moderieren zu müssen, weil ich das gar nicht unabhängig von meiner Rolle tun kann.
In Zukunft werden wir von der Verwaltung früher auf Nachbarschaftskonflikte reagieren und die beteiligten Parteien zu einem Gespräch einladen, bevor zu viel Geschirr zerschlagen wird.»
 
     
  Mehr Informationen erhalten Sie bei Frau Annalis Dürr, Stiftung Domicil, Zürich, ad@domicilwohnen.ch, oder unter Telefon 044 245 90 27  
     
  * Die Namen aller Beteiligten wurden geändert. Aufgezeichnet von Maya Käser  
 
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