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HEV 12/2007 Inhaltsverzeichnis
Unser Garten

     
  Vor dem ersten Schnee
Barbara Scalabrin-Laube
 
     
  Bereits im November war der erste Schnee angesagt. Noch hingen die roten, gelben und ockerfarbenen Blätter an einigen japanischen Ahornen und an den Buchen am Waldrand. Es wurde höchste Zeit, um für meinen nächsten Artikel «Adventskränze aus meinem Garten» immergrüne Zweige und Beeren, Hagebutten und die gelben Früchte der Bitterorange zu schneiden, sollte doch das Foto noch vor dem ersten Advent in der Druckerei ankommen.  
     
   
  Wie zufällig hingeworfen – bis man es selber versucht.   (Foto: Margrit Born, Alten)  
     
  Schneeregen fiel, als ich – ausgerüstet mit Hut, Faserpelzjacke und Winterstiefeln – in den Garten ging. Trotz der klammen Finger schnitt ich Buchszweige und dunkelgrüne gefiederte Blätter der stinkenden Nieswurz (Helleborus foetidus), überlegte, wie die Blätter des portugiesischen Kirschlorbeers (Prunus lusitanica Angustifolia) zu meinem Kranz passen würden, und bemerkte, dass die Vögel sämtliche Beeren der verschiedenen Stechpalmen stibitzt hatten. Auch die meisten Hagebutten fehlten. Die Früchte des «Nastüechlibaums» (Davidia involucrata) waren mir zu braun, diejenigen der diversen Efeuarten und -sorten zu unscheinbar. Sollte ich vielleicht einen Adventskranz mit Herbstblättern kreieren? Oder sollte ich gleich in meinen Lieblingsblumenladen fahren und mich mit geeigneten Früchten eindecken? Würde mir die Floristin vielleicht einen Kranz (wie von mir gestaltet) binden?
Ganz in Gedanken versunken, ging ich weiter und betrachtete die einzelnen letzten Blüten, die bald mit Schnee zugedeckt sein würden. – Der Entschluss war schnell gefasst, der Titel meines Artikels geändert (Adventskränze dürften ja auch im kommenden Jahr aktuell sein). Ich begann, letzte Blumen und Samenstände zu schneiden. Da ich auf die gelben Früchte der Bitterorange (Poncirus trifoliata) nicht verzichten wollte, entschloss ich mich, meinen «Herbstzauber» in den Farben Gelb und Weiss zu gestalten.
Als Grundlage passten die Blätter der grüngelben Stechpalme (Ilex aquifolium ‹Golden van Tol›) ebenso gut wie diejenigen des gelb panaschierten Buchses (Buxus sempervirens ‹Gold Tip›) und des crèmeweiss variegierten Buxus sempervirens ‹Elegantissima›. Die bereits geschnittenen filigranen Blätter der stinkenden Nieswurz würden sich genauso eignen wie der normale grüne Buxus sempervirens. Die gelb variegierten stachligen Blätter des Osman-thus heterophyllus ‹Goshiki› würden meine gelbe Kreation gleichermassen unterstützen. Um das Gesteck aufzulockern, wählte ich ein paar Efeutriebe: gelb variegierte Hedera helix ‹Cavendishii› und kleinblättrige glänzend grüne Hedera helix ‹Green Ripple›. Filigran und zart sollten die stark gefiederten silbernen Blätter des Wermuts (Artemisia ‹Powis Castle›) dazwischen wirken. Da ich zu silbernen Blättern gern dunkelrote kombiniere, wächst gleich daneben eine rotblättrige Gewürzsalbei (Salvia officinalis ‹Purpurea›). Davon nahm ich ebenfalls einen Trieb mit.
In meinem Arrangement durften die Blüten neben den bereits erwähnten Früchten und den dekorativen fedrigen Samenständen der im Sommer/Herbst gelb blühenden Clematis tibetana tangutica nicht fehlen. Die gelben, duftenden Rispen der bereits ab Herbst blühenden Mahonia x media ‹Winter Sun› reuten mich beinahe zum Schneiden, sehe ich sie doch während des Winters täglich vor meinem Küchenfenster. Als Frühlingsboten empfinde ich jeweils die zarten Blüten des Jasminum nudiflorum. Der immergrüne Lorbeerschneeball (Viburnum tinus) hatte bereits erste Blüten, wie auch der kleinwüchsige Viburnum farreri ‹Nanum›. Nur beim grossen «Bruder», dem Viburnum x bodnantense ‹Dawn›, fand icherst Knospen, aber dessen Blüten hätten zu meinem Farbschema nicht gepasst, da sie rosa überhaucht sind.
Rosa waren auch die letzten blühenden Rosen: Rosa ‹Penny Lane›, Rosa ‹Mozart› und Rosa ‹The Fairy›. Sie alle mussten draussen bleiben, nur die letzte zarte Blüte der weissen Rosa ‹Frances Austin› sagte mir zu. Fehl am Platz ist auch Rhododendron yakusimanum ‹Schneekrone›. Seine weissen Blüten würden sich zwar eignen, aber Rhododendren sind für mich Frühlingspflanzen, obwohl es immer wieder vorkommt, dass einzelne (fehl geleitete) bereits im Herbst blühen.
Am im Halbschatten wachsenden weiss blühenden Dost (Eupatorium rugosum ‹Chocolate›) fand ich viele Blüten; die dunkelroten Blätter aber waren bereits welk. An den rosa verbleichten Blüten der Hortensie (Hydrangea ‹Preciosa›) ging ich vorbei, aber die letzte weisse Rispe der halbgefüllten Hydrangea quercifolia ‹Snowflake› schnitt ich gern.
Schon ein paar Mal war mir aufgefallen, dass die Kugeldisteln (Echinops ritro ‹Veitch’s Blue›) spät in der Saison zu einer zweiten Blüte gestartet waren. Einer der stachligen Blütenköpfe war bereits blau, die andern, noch nicht erblüht, silbrig. Dieses zurückhaltende Blau und eine, zwei silberne Kugeln gefielen mir, denn bereits sah ich die Möglichkeit, sie mit ein paar blau blühenden Storchenschnäbeln (Geranium ‹Rozanne›) zu kombinieren. Die ebenfalls noch blühenden Geranium ‹Dilys› aber liess ich stehen, da sie karminrot sind. Auch das rosa blühende Geranium x oxonianum ‹Claridge Druce› musste draussen bleiben.
Mein Korb war voll, meine Hände waren steif. Im Abwaschtrog lag bereits der nasse Steckschwamm. Ich freute mich aufs Arrangieren der herbstlichen Blüten und Blätter, ging aber nochmals hinaus, um ein paar der gelben Zitrusfrüchte (Poncirus trifoliata) zu holen. Da fiel mir auf, dass am neu erworbenen Zwergzierapfel (Malus ‹Pom Zai›) die winzigen gelben Äpfel noch hingen. Offensichtlich hatten sie die Amseln noch nicht entdeckt. Die passten genau zu meinem Konzept.
Mein «Herbstzauber» war schnell gesteckt: zuerst die Blätter als Gerüst, dann die Blüten und Früchte. Aus meinem Vorhaben «Adventskranz» war ein festliches, herbstliches Gesteck geworden. Eigentlich fehlten nur noch die Gäste an einem schön gedeckten Tisch, aber die waren wegen des bevorstehenden Schnees gerade eben weggefahren. So genossen wir den Blumenschmuck allein. Geschneit hat es nachher nicht, aber bei Schneeregen und Sturm sind die letzten bunten Blätter gefallen!
PS: Ein wenig Rosa hat sich doch noch eingeschlichen: Den letzten weissrosa Blüten der Abelia grandiflora konnte ich nicht widerstehen. Sie sind doch allzu hübsch. Vor allem gefallen mir auch die feinen rosa Kelchblätter der verblühten Glocken, denn sie wirken wie zarte Blüten.
 
     
  * Cottage Garten, 8453 Alten  
 
     
  Möglicherweise hat der unverhofft frühe Schnee uns dieses Jahr punkto Tischdekoration einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier deshalb ein paar «gartenunabhängige» Dekorationsideen.
* Paco Oliver
 
 
  Weihnachtsstern   Es muss längst nicht immer Rot sein. Wirken sie nicht fast etwas frivol, unsere Weihnachtssterne, so wie Bardamen inszeniert?
(Foto: CMA
 
         
  Amaryllis   Zart roséfarbene Amaryllis mit einem tiefroten Herzen präsentieren sich in einem «Bett» aus weissen, duftigen Nelken. Lässt sich fast beliebig variieren, damit es zur festlichen Tischdecke und zum feinen Porzellan passt.
(Foto: Blumenbüro Holland)
 
     
  * lic. iur., Redaktor «Zürcher Hauseigentümer»  
 
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