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Bereits im November war der erste
Schnee angesagt. Noch hingen die roten,
gelben und ockerfarbenen Blätter an einigen
japanischen Ahornen und an den
Buchen am Waldrand. Es wurde höchste
Zeit, um für meinen nächsten Artikel «Adventskränze
aus meinem Garten» immergrüne
Zweige und Beeren, Hagebutten und
die gelben Früchte der Bitterorange zu
schneiden, sollte doch das Foto noch vor
dem ersten Advent in der Druckerei ankommen. |
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Wie zufällig hingeworfen – bis man es selber versucht. (Foto: Margrit Born, Alten) |
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Schneeregen fiel, als ich – ausgerüstet
mit Hut, Faserpelzjacke und Winterstiefeln
– in den Garten ging. Trotz der klammen
Finger schnitt ich Buchszweige und dunkelgrüne
gefiederte Blätter der stinkenden Nieswurz
(Helleborus foetidus), überlegte, wie
die Blätter des portugiesischen Kirschlorbeers
(Prunus lusitanica Angustifolia) zu meinem
Kranz passen würden, und bemerkte, dass
die Vögel sämtliche Beeren der verschiedenen
Stechpalmen stibitzt hatten. Auch die meisten
Hagebutten fehlten. Die Früchte des «Nastüechlibaums» (Davidia involucrata)
waren mir zu braun, diejenigen der diversen
Efeuarten und -sorten zu unscheinbar. Sollte
ich vielleicht einen Adventskranz mit Herbstblättern
kreieren? Oder sollte ich gleich in
meinen Lieblingsblumenladen fahren und
mich mit geeigneten Früchten eindecken?
Würde mir die Floristin vielleicht einen Kranz
(wie von mir gestaltet) binden?
Ganz in Gedanken versunken, ging ich
weiter und betrachtete die einzelnen letzten
Blüten, die bald mit Schnee zugedeckt sein
würden. – Der Entschluss war schnell gefasst,
der Titel meines Artikels geändert
(Adventskränze dürften ja auch im kommenden
Jahr aktuell sein). Ich begann, letzte Blumen
und Samenstände zu schneiden. Da ich
auf die gelben Früchte der Bitterorange (Poncirus
trifoliata) nicht verzichten wollte, entschloss
ich mich, meinen «Herbstzauber» in
den Farben Gelb und Weiss zu gestalten.
Als Grundlage passten die Blätter der
grüngelben Stechpalme (Ilex aquifolium ‹Golden
van Tol›) ebenso gut wie diejenigen des
gelb panaschierten Buchses (Buxus sempervirens
‹Gold Tip›) und des crèmeweiss variegierten
Buxus sempervirens ‹Elegantissima›.
Die bereits geschnittenen filigranen Blätter
der stinkenden Nieswurz würden sich genauso
eignen wie der normale grüne Buxus sempervirens.
Die gelb variegierten stachligen
Blätter des Osman-thus heterophyllus ‹Goshiki›
würden meine gelbe Kreation gleichermassen
unterstützen. Um das Gesteck aufzulockern,
wählte ich ein paar Efeutriebe:
gelb variegierte Hedera helix ‹Cavendishii›
und kleinblättrige glänzend grüne Hedera
helix ‹Green Ripple›. Filigran und zart sollten
die stark gefiederten silbernen Blätter des
Wermuts (Artemisia ‹Powis Castle›) dazwischen
wirken. Da ich zu silbernen Blättern
gern dunkelrote kombiniere, wächst gleich
daneben eine rotblättrige Gewürzsalbei (Salvia officinalis ‹Purpurea›). Davon nahm ich
ebenfalls einen Trieb mit.
In meinem Arrangement durften die Blüten
neben den bereits erwähnten Früchten
und den dekorativen fedrigen Samenständen
der im Sommer/Herbst gelb blühenden Clematis
tibetana tangutica nicht fehlen. Die gelben,
duftenden Rispen der bereits ab Herbst
blühenden Mahonia x media ‹Winter Sun›
reuten mich beinahe zum Schneiden, sehe ich
sie doch während des Winters täglich vor
meinem Küchenfenster. Als Frühlingsboten
empfinde ich jeweils die zarten Blüten des
Jasminum nudiflorum. Der immergrüne Lorbeerschneeball
(Viburnum tinus) hatte bereits
erste Blüten, wie auch der kleinwüchsige
Viburnum farreri ‹Nanum›. Nur beim grossen
«Bruder», dem Viburnum x bodnantense
‹Dawn›, fand icherst Knospen, aber dessen
Blüten hätten zu meinem Farbschema nicht
gepasst, da sie rosa überhaucht sind.
Rosa waren auch die letzten blühenden
Rosen: Rosa ‹Penny Lane›, Rosa ‹Mozart› und
Rosa ‹The Fairy›. Sie alle mussten draussen
bleiben, nur die letzte zarte Blüte der weissen
Rosa ‹Frances Austin› sagte mir zu. Fehl am
Platz ist auch Rhododendron yakusimanum
‹Schneekrone›. Seine weissen Blüten würden
sich zwar eignen, aber Rhododendren sind
für mich Frühlingspflanzen, obwohl es immer
wieder vorkommt, dass einzelne (fehl geleitete)
bereits im Herbst blühen.
Am im Halbschatten wachsenden weiss
blühenden Dost (Eupatorium rugosum ‹Chocolate›)
fand ich viele Blüten; die dunkelroten
Blätter aber waren bereits welk. An den rosa
verbleichten Blüten der Hortensie (Hydrangea
‹Preciosa›) ging ich vorbei, aber die letzte
weisse Rispe der halbgefüllten Hydrangea
quercifolia ‹Snowflake› schnitt ich gern.
Schon ein paar Mal war mir aufgefallen,
dass die Kugeldisteln (Echinops ritro
‹Veitch’s Blue›) spät in der Saison zu einer zweiten Blüte gestartet waren. Einer der
stachligen Blütenköpfe war bereits blau, die
andern, noch nicht erblüht, silbrig. Dieses
zurückhaltende Blau und eine, zwei silberne
Kugeln gefielen mir, denn bereits sah ich die
Möglichkeit, sie mit ein paar blau blühenden
Storchenschnäbeln (Geranium ‹Rozanne›) zu
kombinieren. Die ebenfalls noch blühenden
Geranium ‹Dilys› aber liess ich stehen, da sie
karminrot sind. Auch das rosa blühende
Geranium x oxonianum ‹Claridge Druce›
musste draussen bleiben.
Mein Korb war voll, meine Hände waren
steif. Im Abwaschtrog lag bereits der nasse
Steckschwamm. Ich freute mich aufs Arrangieren
der herbstlichen Blüten und Blätter,
ging aber nochmals hinaus, um ein paar der
gelben Zitrusfrüchte (Poncirus trifoliata) zu
holen. Da fiel mir auf, dass am neu erworbenen
Zwergzierapfel (Malus ‹Pom Zai›) die
winzigen gelben Äpfel noch hingen. Offensichtlich
hatten sie die Amseln noch nicht
entdeckt. Die passten genau zu meinem
Konzept.
Mein «Herbstzauber» war schnell gesteckt:
zuerst die Blätter als Gerüst, dann die
Blüten und Früchte. Aus meinem Vorhaben
«Adventskranz» war ein festliches, herbstliches
Gesteck geworden. Eigentlich fehlten
nur noch die Gäste an einem schön gedeckten
Tisch, aber die waren wegen des bevorstehenden
Schnees gerade eben weggefahren.
So genossen wir den Blumenschmuck
allein. Geschneit hat es nachher nicht, aber
bei Schneeregen und Sturm sind die letzten
bunten Blätter gefallen!
PS: Ein wenig Rosa hat sich doch noch eingeschlichen:
Den letzten weissrosa Blüten der
Abelia grandiflora konnte ich nicht widerstehen.
Sie sind doch allzu hübsch. Vor allem
gefallen mir auch die feinen rosa Kelchblätter
der verblühten Glocken, denn sie wirken wie
zarte Blüten. |
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