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Mögen Sie Kräuter?
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Text: Barbara Scalabrin-Laube, Cottage Garten, Alten / Fotos: CMA |
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Violett blühendes Eisenkraut (Verveine) mit orangegelber Sonnenbraut «Waltraut» (Helenium) und
weiteren Prärieblühern wie der gelben Goldrute (Solidago). |
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Vermutlich werden Sie obige Frage –
genau wie ich – mit Ja beantworten und
sich an den feinen Geschmack von Rosmarinkartoffeln
aus dem Ofen, an frisch
geschnittenen Schnittlauch im Salat, an eine
kräftige Bärlauchsuppe, an Oregano auf der
Pizza, an Basilikum über den ersten eigenen
Tomaten oder an Sauerampfersauce über
dem gedämpftem Fisch erinnern.
Auch ich kann mir ein Essen ohne den
speziellen Geschmack von diversen Kräutern
kaum vorstellen. Trotzdem findet man
in unserem Garten keinen speziellen Bereich
mit Kräutern. Der Schnittlauch z.B. wächst
im Staudenbeet, der Bärlauch breitet sich im
«Wäldli» aus, Oregano ziert das Border, der
Blutsauerampfer verbreitet sich (oft unbemerkt)
zwischen hohen Stauden, die Süssdolde
verschönt den Rand eines halbschattigen
Beetes, verschiedene Salbeien
schmücken Staudenbeete mit ihren silbernen
Blättern genauso, wie der Wermut bei
uns eine silberne Zierpflanze ist; die Pfefferminze
gar empfinde ich als Unkraut im Border.
Ein eigentlicher Kräutergarten fehlt. |
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Dies hat verschiedene Gründe: |
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Der wichtigste ist wohl meine mangelnde
Disziplin: Wohl hatten wir von einem
mit Buchshecken eingefassten Kräutergarten
geträumt. Die nötige Buchshecke
wurde gepflanzt und einige Kräuter hielten bald Einzug ins neue Beet an sonniger
bis halbschattiger Lage. Nur waren
da noch einige Rosen, die nirgendwo
Platz hatten, die Taglilien wollten wir
ebenfalls nicht wegwerfen, und wo
hätten wir denn die schönen neuen
Pfingstrosen pflanzen sollen? Kurz, der
geplante Kräutergarten wurde zu einem
Staudenbeet mit Rosen und Kräutern! |
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Da ich Kräuter nicht nur als Nutzpflanzen
sehe, sondern ihren Wert als Zierpflanzen
ebenso schätze, habe ich sie
bereits in meinen Anfängen zwischen
Stauden platziert. Im Lauf der Zeit überzeugte
mich dieser Ansatz, ist doch das
Klima in einer gemischten Pflanzung viel
gesünder als in einer Monokultur. |
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Nicht alle Kräuter bevorzugen sonnige
Plätze. Deshalb pflanze ich diese lieber
an ihnen gerechten Standorten, als sie
zu schattieren oder zu bewässern. |
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Vielleicht denken Sie, ich hätte mit einer
Kräuterspirale, die ja sonnige und absonnige
Lagen bietet, mein Problem lösen können.
Natürlich haben Sie Recht, aber ich
mag Kräuterspiralen bloss, wenn sie gut in
die gesamte Gestaltung integriert sind. Bei
uns war dies nicht möglich.
Das Fehlen eines eigentlichen Kräutergartens
hat zur Folge, dass ich für die Zutaten
für eine Kräutersuppe durch den ganzen
Garten gehen muss:
Schnittlauch finde ich
im Border, Petersilie wächst im Topf, Salbei
schneide ich im ehemaligen Rosenbeet,
Brennnesseln wuchern am Rand des Gartens,
Kerbel habe ich im Laden kaufen müssen,
Kapuzinerblüten zur Dekoration haben
ihren Platz im derzeitigen Versuchsbeet, |
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Geschmackvoll gestalten: Wer auf Balkon und
Terrasse Kräuter wie Salbei, Lavendel und Minze
verwendet, der trifft den Geschmack der Zeit.
Aromatische Zierpflanzen und Kräuter sind für
den Topfgarten wie gemacht. |
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Zitronenmelisse hat sich im Kiesweg etabliert,
Sauerampfer hole ich in der angrenzenden
Wiese, Oregano gibt es an vielen
Stellen im Garten usw. Ich geniesse diese
Sammeltouren, die zwar meistens länger
dauern als beabsichtigt, weil ich da eine
störende Winde entferne und dort eine
besonders schöne Blüte sehe, mich gern
ablenken lasse und ins Tagträumen abgleite.
Genug der Träume! Vielleicht möchten
Sie wissen, welche Kräuter sich bewährt
haben und warum ich den Kerbel kaufen
muss, wo wir doch genug Platz dafür hätten.
Ich fange mit Kerbel, Dill, Kümmel und
Koriander an. Diese einjährigen Pflanzen
vergesse ich oft im Frühling auszusäen,
weshalb ich sie dann bei Bedarf kaufen
muss. Ganz anders ist es mit dem Gewürzfenchel,
einer Pflanze mit hohem Zierwert,
die sich selbstständig(!) verbreitet, sofern
die Schnecken die neuen Austriebe nicht
vor mir entdecken. Als kaum zu bändigende
Pflanzen haben sich daneben meine verschiedenen
Pfefferminzen erwiesen, die ich
immer wieder am falschen Ort finde und
deshalb nur noch in einem grossen Topf
kultiviere. Vor einigen Jahren hat der Meerrettich
aus ähnlichen Gründen einen Platz
im Topf gefunden. Wie bereits erwähnt,
sucht sich auch die Zitronenmelisse ihre
eigenen Plätze, am liebsten im durchlässigen Boden. Ganz ähnlich hat sich der Waldmeister
selbstständig gemacht. Zu einem
Alptraum kann Bärlauch werden. Ich habe
mich mit dem überbordenden Wuchs abgefunden,
freue mich am weissen Blütenmeer
und warte, bis er kurz darauf einzieht. Kräftige
Hostas und Farne überdecken die kahlen
Stellen bald. |
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Gewürzsalbei und Lavendel in verschiedenen
Sorten wachsen an sonnigen Plätzen
und werden immer wieder zurückgeschnitten,
damit sie nicht unförmig werden und
verkahlen. Ebenso sonnenhungrig sind zwei
weitere «Südländer»: Rosmarin und Thymian:
Ich beneide alle, die dem Rosmarin
einen sonnigen, geschützten Platz bieten
können, wo er sogar überwintert. Uns
bleibt nichts anderes übrig, als ihm als Topfpflanze
im Winter einen Platz im Gewächshaus
anzubieten.
Viel gekämpft habe ich um den Thymian,
von dem es verlockend viele Arten und
Sorten gibt. Nachdem ich den Thymianteppich
in Sissinghurst gesehen hatte, wollte
ich ebenfalls einen haben: Leider hat alles
Kämpfen, Pflegen, «Bäbelen» (wie eine
Gartenfreundin sagt) nichts genützt. In
unserem schweren Lehmboden gefiel es der
mediterranen Pflanze – trotz künstlicher
Drainage – nicht. Sie gedeiht nun ebenfalls
im Topf und geht im Winter ins Gewächshaus.
Ihre Nachbarn dort sind der Gewürzlorbeer,
das Zitronengras, das Currykraut
und die Verveine. |
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Dufte Kombination! Silberfarbenes Currykraut
(Helichrysum), bunter Salbei (Salvia officinalis),
Minze (Mentha) und Oregano (Origanum) in
Ampel. |
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Alle paar Jahre muss ich die Goldmelissen,
von denen es neben den roten auch
violette, weisse und rosarote gibt, ersetzen.
Dies bietet Gelegenheit, eine andere Farbe
zu wählen, sie mit einer neuen Pflanze zu
kombinieren oder einen anderen sonnigen
bis halbschattigen Platz auszusuchen.
Manchmal lasse ich mich zum Kauf von
Ysop verführen, obwohl auch dieses südeuropäische
Kraut in unserem Garten keine
lange Lebensdauer hat. Unsere Bienen aber
sind glücklich über diesen unüberlegten
Kauf und besuchen die blauen Blüten häufig!
Es gäbe noch viel über Kräuter, ihre Verwendung
(ich mag sie nicht nur in der
Küche, sondern auch im Blumenstrauss
oder im Gesteck), ihre Vielfalt und ihre Heilkraft
zu berichten. So habe ich beispielsweise
Bohnenkraut, Engelwurz, Estragon,
Bergminze, Weinraute, Liebstöckel und
viele andere nicht erwähnt, habe nicht
erzählt, dass unser Basilikum (vor
Schnecken geschützt) im Topf steht und
meine mit Wermut (!) gewürzten Kräuterravioli
ungeniessbar waren. Die Fülle an
Sachbüchern ist gross, das Angebot auf
dem Wochenmarkt und in Gärtnereien
überwältigend. Was will man mehr? |
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