HEV Zürich  
Monatsschrift
Home
Verband
Veranstaltungen Seminare
Monatsschrift
Formulare
Handwerker
Links
HEV 8/2008 Inhaltsverzeichnis
Unser Garten

     
  Mögen Sie Kräuter?
 
  Text: Barbara Scalabrin-Laube, Cottage Garten, Alten / Fotos: CMA  
     
  Violett blühendes Eisenkraut (Verveine) mit orangegelber Sonnenbraut «Waltraut» (Helenium) und weiteren Prärieblühern wie der gelben Goldrute (Solidago).  
  Violett blühendes Eisenkraut (Verveine) mit orangegelber Sonnenbraut «Waltraut» (Helenium) und weiteren Prärieblühern wie der gelben Goldrute (Solidago).  
     
  Vermutlich werden Sie obige Frage – genau wie ich – mit Ja beantworten und sich an den feinen Geschmack von Rosmarinkartoffeln aus dem Ofen, an frisch geschnittenen Schnittlauch im Salat, an eine kräftige Bärlauchsuppe, an Oregano auf der Pizza, an Basilikum über den ersten eigenen Tomaten oder an Sauerampfersauce über dem gedämpftem Fisch erinnern.
Auch ich kann mir ein Essen ohne den speziellen Geschmack von diversen Kräutern kaum vorstellen. Trotzdem findet man in unserem Garten keinen speziellen Bereich mit Kräutern. Der Schnittlauch z.B. wächst im Staudenbeet, der Bärlauch breitet sich im «Wäldli» aus, Oregano ziert das Border, der Blutsauerampfer verbreitet sich (oft unbemerkt) zwischen hohen Stauden, die Süssdolde verschönt den Rand eines halbschattigen Beetes, verschiedene Salbeien schmücken Staudenbeete mit ihren silbernen Blättern genauso, wie der Wermut bei uns eine silberne Zierpflanze ist; die Pfefferminze gar empfinde ich als Unkraut im Border. Ein eigentlicher Kräutergarten fehlt.
 
     
  Dies hat verschiedene Gründe:  
 
Der wichtigste ist wohl meine mangelnde Disziplin: Wohl hatten wir von einem mit Buchshecken eingefassten Kräutergarten geträumt. Die nötige Buchshecke wurde gepflanzt und einige Kräuter hielten bald Einzug ins neue Beet an sonniger bis halbschattiger Lage. Nur waren da noch einige Rosen, die nirgendwo Platz hatten, die Taglilien wollten wir ebenfalls nicht wegwerfen, und wo hätten wir denn die schönen neuen Pfingstrosen pflanzen sollen? Kurz, der geplante Kräutergarten wurde zu einem Staudenbeet mit Rosen und Kräutern!
Da ich Kräuter nicht nur als Nutzpflanzen sehe, sondern ihren Wert als Zierpflanzen ebenso schätze, habe ich sie bereits in meinen Anfängen zwischen Stauden platziert. Im Lauf der Zeit überzeugte mich dieser Ansatz, ist doch das Klima in einer gemischten Pflanzung viel gesünder als in einer Monokultur.
Nicht alle Kräuter bevorzugen sonnige Plätze. Deshalb pflanze ich diese lieber an ihnen gerechten Standorten, als sie zu schattieren oder zu bewässern.
 
      Vielleicht denken Sie, ich hätte mit einer Kräuterspirale, die ja sonnige und absonnige Lagen bietet, mein Problem lösen können. Natürlich haben Sie Recht, aber ich mag Kräuterspiralen bloss, wenn sie gut in die gesamte Gestaltung integriert sind. Bei uns war dies nicht möglich.
Das Fehlen eines eigentlichen Kräutergartens hat zur Folge, dass ich für die Zutaten für eine Kräutersuppe durch den ganzen Garten gehen muss: Schnittlauch finde ich im Border, Petersilie wächst im Topf, Salbei schneide ich im ehemaligen Rosenbeet, Brennnesseln wuchern am Rand des Gartens, Kerbel habe ich im Laden kaufen müssen, Kapuzinerblüten zur Dekoration haben ihren Platz im derzeitigen Versuchsbeet,
 
  Geschmackvoll gestalten: Wer auf Balkon und Terrasse Kräuter wie Salbei, Lavendel und Minze verwendet, der trifft den Geschmack der Zeit. Aromatische Zierpflanzen und Kräuter sind für den Topfgarten wie gemacht.
Geschmackvoll gestalten: Wer auf Balkon und Terrasse Kräuter wie Salbei, Lavendel und Minze verwendet, der trifft den Geschmack der Zeit. Aromatische Zierpflanzen und Kräuter sind für den Topfgarten wie gemacht.
   
       
  Zitronenmelisse hat sich im Kiesweg etabliert, Sauerampfer hole ich in der angrenzenden Wiese, Oregano gibt es an vielen Stellen im Garten usw. Ich geniesse diese Sammeltouren, die zwar meistens länger dauern als beabsichtigt, weil ich da eine störende Winde entferne und dort eine besonders schöne Blüte sehe, mich gern ablenken lasse und ins Tagträumen abgleite.
Genug der Träume! Vielleicht möchten Sie wissen, welche Kräuter sich bewährt haben und warum ich den Kerbel kaufen muss, wo wir doch genug Platz dafür hätten.
Ich fange mit Kerbel, Dill, Kümmel und Koriander an. Diese einjährigen Pflanzen vergesse ich oft im Frühling auszusäen, weshalb ich sie dann bei Bedarf kaufen muss. Ganz anders ist es mit dem Gewürzfenchel, einer Pflanze mit hohem Zierwert, die sich selbstständig(!) verbreitet, sofern die Schnecken die neuen Austriebe nicht vor mir entdecken. Als kaum zu bändigende Pflanzen haben sich daneben meine verschiedenen Pfefferminzen erwiesen, die ich immer wieder am falschen Ort finde und deshalb nur noch in einem grossen Topf kultiviere. Vor einigen Jahren hat der Meerrettich aus ähnlichen Gründen einen Platz im Topf gefunden. Wie bereits erwähnt, sucht sich auch die Zitronenmelisse ihre eigenen Plätze, am liebsten im durchlässigen Boden. Ganz ähnlich hat sich der Waldmeister selbstständig gemacht. Zu einem Alptraum kann Bärlauch werden. Ich habe mich mit dem überbordenden Wuchs abgefunden, freue mich am weissen Blütenmeer und warte, bis er kurz darauf einzieht. Kräftige Hostas und Farne überdecken die kahlen Stellen bald.
 
  Gewürzsalbei und Lavendel in verschiedenen Sorten wachsen an sonnigen Plätzen und werden immer wieder zurückgeschnitten, damit sie nicht unförmig werden und verkahlen. Ebenso sonnenhungrig sind zwei weitere «Südländer»: Rosmarin und Thymian: Ich beneide alle, die dem Rosmarin einen sonnigen, geschützten Platz bieten können, wo er sogar überwintert. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ihm als Topfpflanze im Winter einen Platz im Gewächshaus anzubieten.
Viel gekämpft habe ich um den Thymian, von dem es verlockend viele Arten und Sorten gibt. Nachdem ich den Thymianteppich in Sissinghurst gesehen hatte, wollte ich ebenfalls einen haben: Leider hat alles Kämpfen, Pflegen, «Bäbelen» (wie eine Gartenfreundin sagt) nichts genützt. In unserem schweren Lehmboden gefiel es der mediterranen Pflanze – trotz künstlicher Drainage – nicht. Sie gedeiht nun ebenfalls im Topf und geht im Winter ins Gewächshaus. Ihre Nachbarn dort sind der Gewürzlorbeer, das Zitronengras, das Currykraut und die Verveine.
     
    Dufte Kombination! Silberfarbenes Currykraut (Helichrysum), bunter Salbei (Salvia officinalis), Minze (Mentha) und Oregano (Origanum) in Ampel.
Dufte Kombination! Silberfarbenes Currykraut (Helichrysum), bunter Salbei (Salvia officinalis), Minze (Mentha) und Oregano (Origanum) in Ampel.
 
       
  Alle paar Jahre muss ich die Goldmelissen, von denen es neben den roten auch violette, weisse und rosarote gibt, ersetzen. Dies bietet Gelegenheit, eine andere Farbe zu wählen, sie mit einer neuen Pflanze zu kombinieren oder einen anderen sonnigen bis halbschattigen Platz auszusuchen. Manchmal lasse ich mich zum Kauf von Ysop verführen, obwohl auch dieses südeuropäische Kraut in unserem Garten keine lange Lebensdauer hat. Unsere Bienen aber sind glücklich über diesen unüberlegten Kauf und besuchen die blauen Blüten häufig!
Es gäbe noch viel über Kräuter, ihre Verwendung (ich mag sie nicht nur in der Küche, sondern auch im Blumenstrauss oder im Gesteck), ihre Vielfalt und ihre Heilkraft zu berichten. So habe ich beispielsweise Bohnenkraut, Engelwurz, Estragon, Bergminze, Weinraute, Liebstöckel und viele andere nicht erwähnt, habe nicht erzählt, dass unser Basilikum (vor Schnecken geschützt) im Topf steht und meine mit Wermut (!) gewürzten Kräuterravioli ungeniessbar waren. Die Fülle an Sachbüchern ist gross, das Angebot auf dem Wochenmarkt und in Gärtnereien überwältigend. Was will man mehr?
 
     
Inhaltsverzeichnis Seitenanfang
Hauseigentümerverband Zürich  Albisstrasse 28  Postfach  8038 Zürich
Telefon 044 487 17 00  Fax 044 487 17 77  www.hev-zuerich.ch  hev@hev-zuerich.ch
Hauseigentümerverband Zürich, Albisstrasse 28, 8038 Zürich