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HEV 8/2008 Inhaltsverzeichnis
Aus dem Kantonalverband

Hans Egloff   Hans Egloff,
Präsident Hauseigentümerverband
Kanton Zürich
Realitätsverlust
  In den letzten Wochen sind die Nebenkostenabrechnungen an die Mieter verschickt worden. Bestimmt ist zuerst der Vermieter ob der deutlich höheren Kosten erschrocken, die er in den vergangenen Monaten für die Mieterschaft vorzuschiessen hatte. Da die Akontozahlungen bei fast allen Mietverhältnissen viel zu tief angesetzt sind, werden nun viele Mieter mit happigen Nachzahlungen konfrontiert. Zuletzt war zwar eine deutliche Entspannung bei den Preisen für Brennstoffe (Heizöl und Gas) zu verzeichnen, trotzdem liegen die Heizkosten wohl rund 50% höher als im Vergleich zur Vorjahresperiode. Ähnlich wird es voraussichtlich in der Periode 2008/09 aussehen.
Meine Grossmutter lebte bis zu ihrem Tod vor rund zehn Jahren in einer Mietwohnung, die durch zwei kleine Ölöfen beheizt wurde. Periodisch liess sie sich Öl in den Keller liefern. Die Kanister wurden dann von meinem Schwager und mir (präzisierend gebe ich zu, dass es meist mein Schwager war) je nach Bedarf in den 3. Stock getragen. Die Rechnung für die Lieferungen wurden von Grossmutter regelmässig klaglos bezahlt und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich je gefragt hat, ob diese Kosten nicht vom Vermieter zu übernehmen wären.
Heute – jedenfalls beim Mieterverband – sieht dies anders aus. «Klimaveränderungsbewegt» verlangt er die Sanierung der Liegenschaften. Das ist sicherlich unter allen Titeln sinnvoll. Nicht zuletzt führt es zu Wertsteigerungen der Immobilien und bringt auch für den Mieter einen erheblichen Nutzen (Minderaufwand bei den Heizkosten).
Umfragen und Erfahrungen haben ergeben, dass die Mieterschaft zwar deutlich höhere Mietzinse für grössere Balkone und/ oder moderne Küchen zu bezahlen bereit ist, energetische oder ökologische Massnahmen auf der Prioritätenliste aber kaum erscheinen. Wohl vor allem aus opportunistischen Überlegungen stellt sich der Mieterverband auf den Standpunkt, die wertvermehrenden Investitionen hätte vor allem der Vermieter zu tragen und sollten – trotz dem offensichtlichen Nutzen auch für die Mieter – nur teilweise auf die Mieten überwälzt werden können.
Diesem ständigen Fünfer-und-Weggli- Denken kann ich nichts abgewinnen. Es zeugt viel mehr von einem fortschreitenden Realitätsverlust der Funktionäre des Mieterverbandes.
 
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